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  • AutorenbildIlaria Morado

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Schon bald brennt in vielen Stuben die erste Kerze auf dem Adventskranz. Dieser Brauch begleitet uns seit Generationen. Aber kennen wir seinen Ursprung? Ich habe mich nämlich diese Tage gefragt, was es mit dem Adventskranz auf sich hat.


Traditionen habe in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Wir leben und lieben sie. Manchmal wissen wir über deren Herkunft erstaunlich wenig. So dürfte es mit der Geschichte des Adventskranzes sein. Seine Anfänge haben wenig mit dem Glitzer und Glanz der heutigen Vorweihnachtszeit zu tun. Wir blättern 200 Jahre zurück in der Zeit, in einem Vorort von Hamburg des Jahres 1839.

Advent in Armut

Zu dieser Zeit ist Deutschland ein zersplitterter Staatenbund. Ein Deutsches Reich gibt es noch nicht. Soeben hat man die Leibeigenschaft abgeschafft. Erstmals dürfen sich Bauer und Arbeiter frei bewegen. Immer mehr Menschen zieht es deshalb vom Land in die Stadt auf der Suche nach Glück. Dort fehlt es an allem: Arbeit, Wohnraum, Essen. Die soziale Verwahrlosung und das emotionale Elend sind gross. Ein Theologe namens Johann Wichern übernimmt den Unterricht an einer evangelischen Sonntagsschule nahe Hamburg. Er besucht die Eltern seiner Schüler Zuhause und wird dadurch Zeuge der schreienden Armut. Viele Kinder lungern herum und geraten auf Abwegen. Wichern gründet ein Heim, das als "Rauhe Haus" bekannt werden wird. Er macht es sich zur Aufgabe, straffällige und verwahrloste Kinder in seine Obhut zu nehmen. Bildung führe zum Seelenheil, soll er gesagt haben. Die Kinder erhalten Unterricht. Um seinen Zöglingen das Zählen beizubringen und die Anzahl Tage bis Weihnachten zu veranschaulichen, nimmt der Erzieher ein grosses Wagenrad mit vier grossen und zwanzig kleinen Kerzen zu Hilfe. Jeden Tag zünden sie eine Kerze mehr an und zählen die Tage bis zum Fest.


Das ist die Geburtsstunde des Adventskranzes. Mit der Zeit wird der Wichernkranz mit Grün ausgeschmückt und schliesslich auch von der evangelischen und katholischen Kirche als Ritus übernommen. Der Adventskranz wird zum gesellschaftlichen Brauchtum.


Viel Symbolik

Der erste Adventskranz war also mehr praktische Hilfe als feierliche Dekoration. Eine ihm zugeschriebene Symbolik ist dennoch tief in unseren Köpfen verankert. Seine runde Form soll der Kreislauf des Lebens symbolisieren oder die Unendlichkeit. Die vier Kerzen stehen für die Anzahl Adventssonntage, sinnbildlich aber auch für die Jahreszeiten oder die Himmelsrichtungen. Die Kerze steht für das Warten auf Jesus, der an Heiligabend das Licht der Welt erblickt.


Neu interpretiert

Heute gibt es dank Wichern Pflegekindern überall Kränze mit vier Kerzen zu kaufen. Moderner Adventsschmuck ist aber längst nicht mehr rund und spartanisch wie ihr Wagenrad. Ich nehme mir jedes Jahr aufs Neue die Freiheit, den "Adventskranz" neu zu inszenieren. Der Garten oder der Wald bietet genug Material dafür. Dieses Jahr beispielsweise sprengt er definitiv den traditionellen Rahmen. Unser Adventsschmuck hat in einem grossen Windlicht Platz gefunden, dekoriert mit Zweigen von Stechpalme und Arizona-Zypresse, Föhren- und Tannenzapfen, Nüssen und Moos.



Einzige Ausnahmen sind ein Zwerg, der aus einer Buddha-Nuss herausguckt, ein Vogel, ein kleiner Engel, der mein Sohn im Kindergarten gebastelt hat und eine Kerze mit dem Duft von "Christmas Cookies"...


Ganz ohne Kitsch geht es im Advent eben doch nicht.


Froher 1. Advent und happy gardening!

Ilaria



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